20.08.2012, zvg
Erdgas erfolgreich speichern
In Urdorf baut die Erdgas Zürich Transport AG einen der grössten Erdgas- Röhrenspeicher Europas. Mit dem neuen Röhrenspeicher werden die Versorgungssicherheit und die Kosten optimiert.
Im Gebiet Schuelacher, am Südrand der Gemeinde Urdorf, sind die Bauarbeiten für den unterirdischen Erdgas-Röhrenspeicher im vollen Gange. Im Frühling 2011 erteilte das Bundesamt für Energie (BFE) die Plangenehmigung und bereits diesen April konnten die Spezialisten mit den Bauarbeiten beginnen. Insgesamt wird die Bauzeit rund acht Monate dauern. «Wenn alles nach Plan verläuft, können wir den Speicher mit einem nutzbaren Volumen von mehr als 700 000 mN 3 noch diese Heizperiode mit Erdgas befüllen», freut sich Jean-Claude Weber, Bereichsleiter Netz von Erdgas Zürich und Geschäftsführer von Erdgas Zürich Transport.
Idealer Standort Urdorf Der Erdgas-Röhrenspeicher in Urdorf wird unmittelbar neben der bestehenden Druckreduzierstation im Gebiet Schuelacher erstellt. Dieser Standort eignet sich vor allem wegen des hohen Vordruckes der Transportleitung von Swissgas (zur Füllung des Speichers) und der Nähe zu den Versorgungsgebieten Limmattal und Knonaueramt (zur Entleerung des Speichers). Zudem steht der Röhrenspeicher ausserhalb der definierten Bauzonen und wird somit keine zukünftigen Infrastrukturprojekte beeinträchtigen. Mit dem Bau des Erdgas- Röhrenspeichers wird die bereits sehr zuverlässige Versorgung von Erdgas-Kunden in Urdorf und der Region Zürich nochmals optimiert.
Olympisches Format Die Erdgas-Speicheranlage in Urdorf hat eine Gesamtlänge von 4140 Meter. Gemäss Jean- Claude Weber entspricht der Aushub ungefähr der Grösse von zehn olympischen Schwimmbecken. Die rund 260 Einzelrohre, die durchschnittlich 16 Meter lang sind und einen Durchmesser von rund 1,4 Metern aufweisen, werden in die Baugrube gelegt und zu 20 Rohrsträngen verschweisst. Jede Schweissnaht wird geröntgt und mit Ultraschall geprüft. Das Eidgenössische Rohrleitungsinspektorat überwacht alle Arbeiten. Gegraben wird bis zu einer Tiefe von vier Metern. Die je nach Tiefe unterschiedlichen Humusschichten werden sorgfältig abgetragen und separat aufgehoben. Nach Fertigstellung wird der Röhrenspeicher wieder zugedeckt – zuerst mit den in der Tiefe ausgehobenen Erdschichten. Nach einer Rekultivierungsphase von rund drei Jahren kann der Grundeigentümer den Boden für die Landwirtschaft uneingeschränkt nutzen.
Sinn und Zweck eines Erdgas-Röhrenspeichers In der Region Zürich wird rund 90 Prozent des umweltschonenden Erdgases zum Heizen und zur Warmwasseraufbereitung eingesetzt. Daraus ergeben sich während der Heizperiode im Tagesverlauf grosse Belastungsunterschiede (Spitzenbedarf am Morgen, geringer Bedarf während der Nachtabsenkung). Ein Erdgas-Speicher hilft, die Leistungsspitzen besser abzudecken. Das heisst, Erdgas wird während den Schwachlastzeiten im Speicher zwischengelagert und bei Verbrauchsspitzen aus dem Speicher entnommen bzw. ins Versorgungsnetz eingespeist. Mit Hilfe des Speichers wird zwischen konstantem Erdgas-Bezug und schwankender Nachfrage ein ökonomischer Ausgleich geschaffen.
Speicherkapazitäten Früher wurde Erdgas überwiegend in oberirdischen Kugelbehältern zwischengelagert. Dieses System hat sich bewährt und wird auch in Zukunft weiter genutzt. Aus technischer und vor allem wirtschaftlicher Sicht haben sich jedoch unterirdische Röhrenspeicher als die bessere Lösung erwiesen. Heute nutzt Erdgas Zürich Transport fünf Erdgaskugelbehälter, je einen Röhrenspeicher in Schlieren und in Gutenswil sowie einen Teil der Transportleitungen als Speicher. Insgesamt stehen ihr heute rund 1,6 Mio. mN 3 (19,5 Mio. kWh) Erdgas zur Verfügung.
Ein Blick hinter die Kulissen Am Samstag, 18. August 2012, haben alle Interessierten die Gelegenheit, die eindrückliche Baustelle des Erdgas-Röhrenspeichers in Urdorf zu besichtigen. Der Tag der offenen Baustelle, im Gebiet Schuelacher (gegenüber dem Industriegebiet Bergermoos), findet von 10 bis 15 Uhr statt. In rund 30 Minuten bieten die Spezialisten einen Einblick in die laufenden Bauarbeiten und erklären, wie der Erdgas-Röhrenspeicher in Zukunft funktionieren wird. Als Zwischenverpflegung wird allen Besuchern eine Gratis-Bratwurst und ein Gratis-Getränk offeriert.